22 Jul 2017

„Mobile Nachbarn”: aus 1 wird 3, wird mehr …

Fahrräder für Flüchtlinge: Mit dieser Idee starteten die „Mobilen Nachbarn” in Schildgen. Jetzt ist mit Initiativen in Paffrath und Lückerath ein ganzer Verbund heran gewachsen, der sich viel vorgenommen hat. Für Neu- und Altbürger.

Zunächst gab es die „Mobilen Nachbarn” in Schildgen, doch die Idee, Flüchtlinge mit funktions- und verkehrssicheren Fahrrädern auszustatten, zieht Kreise. Inzwischen gibt es die ehrenamtlichen Radwerkstätten in Schildgen, Paffrath und Lückerath. Gemeinsam haben die Drei einen Initiativen-Verbund gegründet. 

„Stärkung und Weiterentwicklung des Ehrenamts, koordiniertes und zielgerichtetes Arbeiten in der gemeinsamen Sache und effektivere Nutzung des freiwilligen Engagements für Flüchtlinge und Bedürftige im Stadtgebiet Bergisch Gladbach.“ Diese Zielsetzung formulierten Vertreter der drei Standorte von ehrenamtlichen Radwerkstätten in den Ortsteilen Schildgen, Paffrath/Hand und Lückerath.

Zukünftig koordinieren sich die weiterhin unabhängig und eigenständig auftretenden Initiativen unter der einheitlichen Marke „Mobile Nachbarn“ des Erzbistums Köln als „Mobile Nachbarn – Initiativen Verbund GL“.

Entlastung der ehrenamtlichen Helfer, effizientere Verwertung der überlassenen Spenden und die optimale Bedienung der Bedarfe und der individuellen Anfragen werden das Ergebnis dieser Ressourcen- und Kompetenzbündelung sein. Ressourcenschonung durch Wiederverwertung und das aktive Vermitteln des Radfahrens als alternatives, kostengünstiges und ökologisches Konzept der Individualmobilität und damit die nachhaltige Unterstützung der Teilhabe und der Förderung zur Integration bleiben die Kernkompetenz und der gemeinsame Anspruch.

Die Sammlung, Aufbereitung, Instandsetzung und Ausgabe von vollständig verkehrssicheren Fahrrädern an Flüchtlinge und andere bedürftige Menschen stehen an erster Stelle des Engagements und stellen den Aufgabenschwerpunkt aller Aktivitäten dar.

Ein Projekt in der GGS Katterbach

 

Hierbei erhält die Unterstützung von benachteiligten Kindern und Grundschülern durch spezielle Aktionen – z.B. ein separater Aufruf zur Kinderfahrradsammlung -, noch einmal einen besonderen Stellenwert.

Die nachhaltige Betreuung durch Reparaturen von selbst-vermittelten, aber auch fremd-bezogenen Fahrrädern wird dabei nicht als reine Dienstleistung zum kleinen Preis, sondern vielmehr als Hilfe zur Selbsthilfe und als Möglichkeit zur interkulturellen Begegnung und Kontaktaufnahme verstanden.

Auch die Vermittlung von technischen Zusammenhängen und damit der deutschen Sprache ist ein wichtiger Nebeneffekt des Reparaturbetriebs. Dieser wird finanziell durch Geld- und Materialspenden aber hauptsächlich durch die Verwendung gebrauchter Ersatzteile sichergestellt.

Abgesehen von der unmittelbaren Unterstützung durch Fahrräder, ist es auch ein erklärtes Anliegen, die “Neuen Nachbarn“ mit der ihnen fremden Umgebung und Kultur vertraut zu machen. Daher werden in der Saison mit Gruppen von Flüchtlingen, zusammen mit alteingesessenen oder auch zugezogenen Bürgern, monatliche Fahrradtouren in die nähere Umgebung geplant und durchgeführt.

Eine Radtour führte in den Neulandpark in Leverkusen

 

Diese sollen dazu beitragen, persönliche Kontakte herzustellen oder zu vertiefen. Durch Besichtigungen von z.B. Museen, wie dem LVR Museum Papiermühle „Alte Dombach“ in Herrenstrunden, soll auch das kulturelle Erleben nicht zu kurz kommen. Vor allem soll aber der Spaß am Radfahren und das Erwerben von Fahrpraxis im hiesigen Straßenverkehr gefördert werden.

Die nächste Tour mit dem Ziel Altenberger Dom ist für den 30. Juli um 14:00 Uhr ab Schildgen geplant.

Auch Radfahrschulungen, vor allem für Anfänger, gehören zu den bereits erfolgreich durchgeführten Projekten. Zusammen mit der Radstation Bergisch Gladbach ergab sich die Möglichkeit, geflüchteten Frauen unter professioneller und umfangreicher Anleitung das Radfahren beizubringen, um so ihre Selbstständigkeit zu fördern und sie auf ihrem Weg der Integration auch durch gestärktes Selbstbewusstsein nachhaltig zu unterstützen.

Ein Kurs der Mobilen Nachbarn in Schildgen

 

Diese Maßnahme wird im kommenden September zum dritten Male für weitere 15 Teilnehmerinnen stattfinden können.

Unterstützt werden alle Einzelinitiativen und damit auch der neue Verbund durch den katholischen Kirchengemeindeverband Bergisch Gladbach-West (Herz Jesu Schildgen, St. Clemens Paffrath und St. Konrad Hand) und die „Aktion Neue Nachbarn“, die Diözesancaritas und die Aktion www.pfarr-rad.de des Erzbistums Köln. Letztere zeichnen sich für den ursprünglichen Projektrahmen und das Label „Mobile Nachbarn“ verantwortlich.

Der Initiativen Verbund steht im engen Kontakt und regelmäßigen Austausch mit den lokalen Stadtteil-Flüchtlingshilfen „Willkommen in Schildgen“, „Willkommen in Paffrath/Hand“ und dem „Willkommensnetzwerk Heidkamp“.

Private Unternehmen und Handwerksbetriebe gehören ebenso zu den Partnern wie auch weitere gemeinnützige Institutionen und Vereine, wie die Radstation Köln/Bergisch Gladbach und der ADFC RheinBerg-Oberberg, mit denen bereits sehr erfolgreiche Kooperationen (z.B. bei der Durchführung der Radfahrschule) eingegangen wurden.

Zudem sind „Mobile Nachbarn“ als Netzwerk Partner bei „Paraplüs – Initiativen Netzwerk GL“, der informellen Austauschplattform der ehrenamtlich Agierenden in der Flüchtlingshilfe, vertreten.

In Paffrath gibt es sogar Lastanhänger

 

Das gemeinsame Format „Mobile Nachbarn“, welches durch das Erzbistum Köln entwickelt wurde, verhilft den drei eigenständigen und unabhängigen Standorten, mit ihren individuellen Organisationsstrukturen und Trägern zu einem einheitlichen Erscheinungsbild, welches im Stadtgebiet dauerhaft zu einem hohen Wiedererkennungswert führen wird.

Die gemeinsame Außendarstellung soll zu einem höheren Bekanntheitsgrad führen und dadurch auch die Akzeptanz um die Notwendigkeit der Flüchtlingshilfe bei den Bürgern verstärken.

„Mobile Nachbarn“ möchten sich als feste und verlässliche Größe zur Unterstützung von bedürftigen Menschen dauerhaft und nachhaltig im Stadtgebiet etablieren. Für die jeweiligen Teams ergeben sich durch die engere Abstimmung und die gesteigerte Kooperation verschiedenste Vorteile für ihr Ehrenamt.

So wird neben der Koordination von Fahrradausgaben und von erfolgten Reparaturen über die Nutzung eines gemeinsamen Datenstandes vor allem der Austausch in Bezug auf allgemeinen Informationen zur Flüchtlingshilfe, technische Expertise, wie auch auf interkulturelle Begegnung eine große Rolle spielen.

Um diese Zusammenarbeit sicherzustellen, wird es regelmäßige Zusammenkünfte oder auch übergreifende Workshops für die ehrenamtlichen Helfer geben. Bedarfsgerechte Verteilung und zielgerichtete Zuweisung der Spenden auf der einen Seite und der Knowhow-Transfer und die gegenseitige Hilfe mit teurem Sonderwerkzeug oder gebrauchten Ersatzteilen auf der anderen sind das erklärte Ziel des Verbundes.

Wie in Paffrath wurden in verschiedenen Unterkünften Unterstände aufgebaut

 

Luft- und Reparaturstationen für Flüchtlinge und Bürger

Zur Umsetzung der Kooperation der 3 Radwerkstätten ist auch ein erstes gemeinsames Projekt noch im laufenden Jahr geplant. So sollen an allen drei Werkstattstandorten fest installierte, robuste Luft- und Reparaturstationen für die Selbsthilfe aufgestellt werden. Diese sollen es allen Flüchtlingen und Bürgern ermöglichen, außerhalb der Öffnungszeiten einen platten Reifen aufzupumpen oder auch mit verschiedenen Tools kleinere Defekte zu beheben.

Vorbehaltlich der Genehmigung durch die zuständigen Stellen (Stadt, DRK und Herz Jesu Gemeinde) wollen sich die Initiativen durch diesen zusätzlichen Service – vor allem am Standort Schildgen – auch für die zurückliegende fantastische Spendenbereitschaft der Bürgerschaft bedanken und versuchen, über diesen Weg auch wieder etwas an die allgemeine Öffentlichkeit zurückzugeben.

Zukünftig werden auch weiterhin Menschen gesucht, die dieses Engagement im Rahmen der Flüchtlingshilfe und in der Unterstützung von Bedürftigen sinnvoll finden und die Initiativen an den einzelnen Standorten bei den verschiedensten Aktivitäten oder auch zeitlich begrenzten Projekten unterstützen möchten.

Dabei ist der persönliche Einsatz in der Regel sehr flexibel planbar. In der Werkstatt in Schildgen werden dabei vorwiegend erfahrene Schrauber zur Unterstützung des Teams gesucht.

Auch ist ein zentraler Informations- und Kontaktpunkt in Form einer gemeinsamen Internetpräsenz für den Initiativen Verbund geplant bzw. erste Konzepte bereits entwickelt. Hier wird (auch finanzielle) Unterstützung durch Partner der IT Branche bei der zeitnahen und professionellen Umsetzung gesucht.

Weiterhin benötigt werden selbstverständlich Fahrräder aller Art sowie Fahrradschlösser. Gebrauchte Ersatzteile und Fahrradhelme (unbedingt intakt und unbeschädigt) sind ebenfalls willkommen.

Für das kommende Jahr 2018 ist die verlässliche Weiterführung aller heutigen Aktivitäten vorgesehen. Darüber hinaus sollen die Planung von Schulungen zum Thema Verkehrssicherheit, Radfahrtrainings für Fortgeschrittene sowie die verstärkte Einbeziehung von Geflüchteten in die Arbeit der Initiativen weiter Fahrt aufnehmen.

Auch ist vorgesehen, die Aktivitäten zur Unterstützung von finanziell benachteiligten Grundschulkindern (Flüchtlingskindern) zur Teilnahme am Fahrradführerschein auf zusätzliche Stadtteile auszuweiten.

 

Daten und Fakten (Stand 08.07.2017): 

Anzahl Helfer * Schildgen:11 (inkl. ein Asylgast) * Paffrath: 8 (inkl. ein Asylgast) * Lückerath: 2

Aktiv seit * Schildgen: Feb. 2016 * Paffrath: Sommer 2016 * Lückerath: Mai 2017 im Aufbau

Anzahl unterstützter Personen * über alle Standorte ca. 25 / Woche Anzahl vermittelter Fahrräder * über alle Standorte ca. 350 Einheiten Ehrenamtlicher Einsatz * mehr als 2000 Stunden im Verbund

Reichweite * Stadtgebiet Bergisch Gladbach inkl. Bensberg * Köln Dünnwald/Höhenhaus/Niehl, Odenthal, Leverkusen Schlebusch

Aktionen * 15 Räder an Gemeinde „Heiligen Familie“ Köln Dünnwald/Höhenhaus * 25 Räder an die Radstation Köln * 5 aufgearbeitete Fahrräder an die GGS Katterbach

 

Mobile Nachbarn in … Schildgen

Gegründet als Initiative der kath. Herz Jesu-Gemeinde im Februar 2016, setzen wir das vom Erzbistum Köln entwickelte Fahrradprojekt „Mobile Nachbarn“ für das Stadtgebiet Bergisch Gladbach um. Wir organisieren Sammlung sowie Instandsetzung von gebrauchten Fahrrädern und stellen diese Bedürftigen und Flüchtlingen zur Verfügung. Radfahrkurse und regelmäßige Fahrradtouren erweitern unser Angebot zur Förderung von interkultureller Begegnung und Erleichterung von Integration in unsere Gesellschaft.

Mobile Nachbarn in … Paffrath

Gegründet als Arbeitsgruppe innerhalb der Willkommensinitiative „Willkommen in Paffrath/Hand“ im Sommer 2016, organisieren wir Sammlung sowie Instandsetzung von gebrauchten Fahrrädern an der durch das DRK betreuten, städtischen Container-Flüchtlingsunterkunft in Bergisch Gladbach – Paffrath und stellen diese Flüchtlingen zur Verfügung. Besonderen Schwerpunkt legen wir in die Einbindung der Asylbewerber und -gäste als Hilfe zur Selbsthilfe bei Reparaturen.

Mobile Nachbarn in … Lückerath

Hervorgegangen aus und gegründet nach dem Vorbild der Radwerkstatt in Paffrath im Mai 2017, organisieren wir Sammlung sowie Instandsetzung von gebrauchten Fahrrädern an der durch das DRK betreuten, städtischen Container-Flüchtlingsunterkunft in Bergisch Gladbach – Lückerath und stellen diese Flüchtlingen zur Verfügung. Wir befinden uns aktuell noch im Aufbau, konnten aber bereits in eigens für die Radwerkstatt zur Verfügung gestellte Räumlichkeiten einziehen

 

Michael Funcke für Mobile Nachbarn auf in-gl.de